Dissertation Verlag Finden

Wer seinen Doktor macht, forscht jahrelang – und schreibt ein Buch, das kaum einer liest. 23 Tipps, wie die Veröffentlichung besser klappt.

1. Warum muss man publizieren?

Seine Dissertation muss man veröffentlichen, das ist Pflicht. Meist darf man sich erst Doktor nennen, wenn die Publikation geschafft ist. Schließlich soll man einen Beitrag zur Wissenschaft leisten und andere von den Forschungsergebnissen profitieren lassen. Durch die Veröffentlichungspflicht ist es auch leichter, später Fehler zu entdecken und Schummler zu entlarven. Wie genau man seine Dissertation veröffentlicht, hängt in der Regel vom Fach ab. Man kann grob unterscheiden zwischen Monografien und kumulativen Dissertationen. (Interesse an der kumulativen Dissertation? Weiterlesen bei Tipp 12)

2. Was ist eine Monografie?

Monografien sind meist dicke Bücher, in denen man systematisch ein einzelnes Thema untersucht. Sie tragen Titel wie Geldverleiher – Kredithai oder verlässlicher Finanzmanager? oder Licht und Gewalt bei Caravaggio, um zwei Beispiele für Monografien zu nennen, die in den letzten Jahren von Doktoranden der FU Berlin veröffentlicht wurden. Die Titel deuten es an: Üblich ist die Monografie vor allem in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

3. Wie finde ich einen Verlag?

Wer eine Monografie schreibt, braucht einen Verlag. Am wichtigsten ist, dass der schon mehrere Jahre existiert. Bei sehr jungen Verlagen ist die Gefahr größer, dass sie pleitegehen – dann hat man seine Dissertation zwar veröffentlicht, bekommt aber keine neuen Exemplare mehr. Welche Verlage als angesehen gelten, hängt auch vom Fach ab. Es lohnt sich, seinen Betreuer um Rat zu fragen. Viele Wissenschaftsverlage kann man am 11. und 12. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.2) ansprechen. (Zur Veröffentlichung im Internet: Weiterlesen bei Tipp 19)

4. Wie erreiche ich die Leser?

Wie will der Verlag die Monografie bewerben? Das ist eine Frage, die man unbedingt stellen sollte – schließlich sollen möglichst viele potenzielle Leser vom Buch erfahren. Wie die Werbung aussehen könnte, beschreibt Werner Gerabek, Medizinprofessor und Gründer des Deutschen Wissenschafts-Verlags, so: "Wir weisen die Fachbereichsleiter sämtlicher Uni-Bibliotheken auf unsere Neuerscheinungen hin. Außerdem verschicken wir Pressemeldungen und Rezensionsexemplare an viele Fachzeitschriften." Als Faustregel gilt: Ein Verlag mit wenigen Mitarbeitern kann sich weniger gut um Werbung kümmern als ein größerer Verlag. Zu groß sollte er aber auch nicht sein: Wirbt ein Verlag damit, tausend Titel pro Jahr zu veröffentlichen, könnte er sich bei genauerem Hinsehen als reine Internet-Datenbank entpuppen, die Bücher nur auf Bestellung druckt. Dann gilt: Finger weg!

5. Was steht im Vertrag?

Seriöse Verlage schicken ihren Bewerbern erst dann ein Publikationsangebot, wenn sie die ganze Dissertation oder zumindest Auszüge daraus gesehen haben – mindestens das Inhaltsverzeichnis, das Vorwort und das Fazit. In dem Angebot sollten Informationen zum Format und zur Auflage, zu Papiersorte, Umschlagart, Anzahl der Farbseiten und zur Covergestaltung aufgeführt sein. Außerdem: der Verkaufspreis und die anfallende Druckkostenbeteiligung für den Autor.

6. Soll ich verhandeln?

"Vieles, was im Vertrag steht, ist noch verhandelbar", sagt Verlagsleiter Werner Gerabek. Man sollte Angebote von mehreren Verlagen einholen und vergleichen. Vor allem der Zuschuss zu den Druckkosten kann stark variieren. Bei kleineren Verlagen liegt er oft unter 1000 Euro. Ein angesehener Verlag verlangt mehr. Mit dem Verkauf wird man nicht reich: Oft bekommt man zwischen fünf und zehn Prozent des Preises. Bei einer gängigen Auflage von 300 bis 400 Exemplaren ist das nicht viel.

7. Wer hilft bei den Druckkosten?

Es wird sich für die meisten Doktoranden leider nicht vermeiden lassen, für die Druckkosten tief in die Tasche zu greifen. Wer sich das alleine nicht leisten kann, hat in der Regel die Chance, Zuschüsse bei seinem Fachbereich zu beantragen – oder beim Forschungsreferat der Hochschule. Auch manche Stiftungen und Forschungsförderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gewähren unter gewissen Bedingungen einmalige Zuschüsse. Infos zur Publikationsbeihilfe der DFG stehen online in einem PDF-Merkblatt unter bit.ly/campus_pubhilfe. Gute Verlage sind bei der Beantragung behilflich.

9. Was ist die VG Wort?

Die Verwertungsgesellschaft Wort sammelt bei Bibliotheken und Herstellern von Kopiergeräten Geld ein und verteilt es an Verlage und an Autoren. Im Grunde funktioniert die VG Wort für Autoren ähnlich wie die Gema für Musiker. Wer eine Monografie geschrieben hat, bekam dafür zuletzt um die 800 Euro von der VG Wort. Um von der Ausschüttung zu profitieren, muss man sich und sein Buch kostenlos auf vgwort.de anmelden. Bis Oktober des Folgejahres wird das Geld überwiesen. Achtung: Wer sich nicht anmeldet, bekommt auch kein Geld!

Was ist der "impact factor"?

10. Wie kann ich in einer Buchreihe veröffentlichen?

Noch besser, als seine Monografie bloß in einem guten Verlag unterzukriegen, ist es, sie in einer renommierten Buchreihe zu platzieren. Das ist wie ein Gütesiegel und bedeutet oft mehr Leser und mehr Zitierungen. Dafür fordern die Verlage allerdings auch eine herausragende Qualität der Arbeit. In der Regel müssen dafür die Gutachten der Prüfer eingereicht und Bestnoten nachgewiesen werden. Wer keinen Doktorvater hat, der seine Kontakte spielen lassen könnte, schaut sich sorgfältig um, in welche Reihen das eigene Thema passen könnte – und äußert seine Idee schon beim ersten Verlagskontakt.

11. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (1): Geschichte

"Ich habe beim Lesen gar nicht gemerkt, dass ich eine Dissertation in der Hand halte. Das Kolosseum: Bewundert, bewohnt, ramponiert von Erik Wegerhoff ist ein hinreißend geschriebenes, vergnügliches Werk, verlässlich recherchiert und stilsicher. Der Autor unternimmt darin eine Zeitreise durch die abwechslungsreiche Geschichte eines leblosen Gemäuers. Das Kolosseum in Rom steht uns heute als Ruine vor Augen. Wegerhoff untersucht: Wie wird es in Szene gesetzt? Welche Spuren der Geschichte sind längst getilgt worden, was ist noch sichtbar? Er analysiert das Kolosseum als Brennspiegel der europäischen Geschichte. Ein Rezensent monierte, dass man in diesem Buch nicht erfährt, wann exakt das Kolosseum gebaut, wie lange daran gearbeitet worden ist und wie viele Menschen hineinpassten. Das finde ich aber gerade ansprechend an dieser Dissertation. Informationen, die ohnehin überall abrufbar sind, führen zu einem Übermaß an Empirie in wissenschaftlichen Arbeiten. Im Hochschulbetrieb wirkt es oft so, als gelte die Regel: Je sperriger ein Text ist, umso wissenschaftlicher ist er. Das sehe ich anders. Wegerhoff kann schreiben. Es ist ein Genuss, seine Dissertation zu lesen."

Andreas Beyer ist Professor für Kunstgeschichte an der Uni Basel. Er rät zur Dissertation von Erik Wegerhoff, die im Wagenbach Verlag erschienen ist

12. Was ist eine kumulative Dissertation?

Wer kumulativ promoviert, veröffentlicht seine Dissertation nicht als Buch, sondern in einzelnen Texten, die in Journalen erscheinen. Doktoranden der Chemie, Physik, Mathematik und Biologie verfassen oft von vornherein eine kumulative Dissertation. Oder sie versuchen im Nachhinein, die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit in Journalen zu platzieren. Auch Psychologen, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler streben in der Mehrheit Journalveröffentlichungen an. Für Ingenieure und Informatiker sind Konferenzbeiträge der gefragteste Publikationstyp, also Vorträge mit Veröffentlichung in einem Tagungsband.

13. Was muss ich bei dieser Publikationsform beachten?

Wer seine Forschungsergebnisse in einem der englischsprachigen Journale mit besonderem Renommee veröffentlichen möchte, muss als Erstes einen Redakteur überzeugen. Wenn der an dem Thema Interesse hat, ist das aber noch nicht genug. Denn anschließend geht das Manuskript noch an drei bis fünf unabhängige Gutachter, die auf dem gleichen Fachgebiet forschen: Sie prüfen beim anonymisierten Peer-Review-Verfahren die Qualität des Beitrags und schätzen ein, ob die Ergebnisse zukunftsrelevant sind und wie sorgfältig gearbeitet wurde. Weltweit gibt es etwa 21.000 Zeitschriften, die dieses Verfahren anwenden. Bis man eine Rückmeldung erhält, können mehrere Monate vergehen. Selbst bestimmen darf man die Gutachter natürlich nicht, dafür aber manchmal solche blockieren, die zwar Experten auf dem Gebiet sind, aber auch zu den ärgsten Konkurrenten zählen. Geht der Prüfungsprozess positiv aus, kann man sich über reges Interesse, internationale Leser und Zitierungen freuen. Manchmal haben die Peer-Reviewer Änderungswünsche, ehe man eine zweite Chance bekommt. Wird der Artikel rundweg abgelehnt, hat man viel Zeit verloren. Dann besteht aber noch die Chance, zu einem weniger einflussreichen Journal zu gehen, das mit einer Editorial Review arbeitet, die Qualitätsprüfung also allein stemmt.

14. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (2): Zahnmedizin

"Ein Piepen im Ohr und Schmerzen im Kiefer: Diese Kombination kommt bei Patienten häufiger vor. Aber hängen Tinnitus und Kiefergelenkprobleme auch zusammen? Es gibt Ärzte, die davon überzeugt sind – zu einem anderen Ergebnis kommt Constanze Bösels Dissertation mit dem Titel Chronischer Tinnitus und craniomandibuläre Dysfunktion. Oft beweist die eine Studie, was die andere widerlegt. Man muss deshalb immer schauen, wie die Studie entstanden ist. Die Ergebnisse von Bösel haben – Achtung, Fachwort! – ein hohes Evidenzlevel, beruhen also auf fundierten Erkenntnissen. Deshalb ist die Arbeit empfehlenswert. Bösel hat Patienten mit chronischem Tinnitusleiden zufällig zwei Therapiegruppen zugewiesen: Die einen haben eine Schiene eingesetzt bekommen, die Ruhe ins Kau-Organ bringen soll. Die andere Gruppe hat in einer Selbsthilfetherapie geübt, die Kiefermuskeln zu entspannen. Das Ergebnis der Studie: Die Kiefergelenkschmerzen haben in beiden Gruppen nachgelassen, der Tinnitus ist geblieben. Das ist für die Wissenschaft eine wichtige Erkenntnis. Dissertationen sind wie einzelne Mosaiksteinchen. Für den Laien ergeben sie kein Bild, für den Forscher stellen sie den Teil eines großen Bildes dar. Typisch für Spezialisten ist, dass sie in die Tiefe bohren, aber die Breite vergessen. Für den Laien ergäbe eine breit gefächerte Dissertation mehr Sinn. Die Titel von Dissertationen klingen oft weder interessant, noch sind ihre Ergebnisse ohne fachlichen Hintergrund verständlich, doch der Forschung können sie relevante Erkenntnisse liefern."

Ingrid Peroz leitet an der Berliner Charité die Abteilung für Zahnärztliche Prothetik. Die empfohlene Dissertation gibt es online unter bit.ly/campus_tinnitus

15. Was ist der "impact factor"?

Der Einfluss eines Journals bemisst sich in der Regel am impact factor . Er gibt Auskunft darüber, wie oft seine Artikel im Durchschnitt von Autoren in anderen Publikationen zitiert werden. Das Prinzip ist dabei ganz simpel: Je mehr Zitierungen, desto höher der impact factor, je höher der impact factor, desto angesehener das Journal. Eine Übersicht der Rankings gibt es im Journal Citation Reports unter bit.ly/campus_impact. Besonders genau schauen Forscher in den Naturwissenschaften und in der Medizin auf diese Rankings, sie gewinnen aber auch in anderen Fachgebieten an Bedeutung. Die Aussagekraft des Messwertes ist trotzdem umstritten. Zum Beispiel, weil Zitierungen der eigenen Arbeit in die Berechnung des Faktors einfließen, man also im Ranking belohnt wird, wenn man in späteren Texten möglichst oft auf die eigenen Vorarbeiten hinweist.

Was bedeutet Open Access?

16. Welche Preise gibt es für Dissertationen?

Wer seine Dissertation mit einem exzellenten Ergebnis abgeschlossen hat, kann sich für den Deutschen Studienpreis bewerben: Jedes Jahr vergibt die Körber-Stiftung Prämien im Wert von mehr als 100.000 Euro, darunter drei Spitzenauszeichnungen mit einem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro. Der Studienpreis richtet sich an Promovierte aller Disziplinen. Einreichen muss man nicht die Dissertation, sondern einen Text von maximal 40.000 Zeichen, in dem die zentralen Forschungsergebnisse und ihre gesellschaftliche Bedeutung spannend und verständlich dargestellt werden. Einsendeschluss ist immer der 1. März des Jahres, das auf die Promotion folgt. Mehr Informationen unter studienpreis.de.

17. Und welche Preise gibt es sonst noch?

Immer öfter wird die kreative Vermittlung von Forschungsleistungen gewürdigt: Die DFG vergibt beispielsweise den mit 50 000 Euro dotierten Communicator-Preis für junge Wissenschaftler, die sich in besonderer Weise um die Bekanntmachung ihrer Ergebnisse bemüht haben. Mehr Infos unter dfg.de/communicator-preis. Beim FameLab können Absolventen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ihr Forschungsgebiet mit einem dreiminütigen Vortrag vorstellen. Die Regeln: Es muss anschaulich sein, gern etwas verrückt und unbedingt ohne PowerPoint (famelab- germany.de). Beim Kurzfilm-Festival Nanospots können Nanowissenschaftler mit realen, simulierten oder Zeichentrickfilmen bis zu 10.000 Euro einstreichen (nanospots.de).

18. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (3): Rechtswissenschaft

"Wenn ich früher an Hooligans dachte, hatte ich sabbernde Amöben mit Baseballkeule vor Augen. Ein unprätentiöser, liebenswürdiger, noch dazu sportlicher Jurist hat dieses Bild korrigiert. Sein Name war Marius Breucker, und er erklärte mir: Hooligans stammen aus dem gesamten Sozialspektrum, sie können auch normal ticken. Viele lassen erst im Stadion den Berserker raus. Seine Dissertation Transnationale polizeiliche Gewaltprävention: Maßnahmen gegen reisende Hooligans ist zwar eine paragrafenlastige Arbeit voller Begriffserklärungen, aber als Fachfremde konnte ich trotzdem folgen. Breucker weiß: Wer promoviert, kennt sich am besten mit seinem Thema aus – und muss seinen Lesern wissenschaftlich präzise darlegen, was er schreibt und wieso das wichtig ist. Es ist außerordentlich schwierig, in einem Gefüge von Rechtsstaaten mit Gewaltakten umzugehen und gleichzeitig die Demokratie zu wahren. Denn auch Hooligans haben Grundrechte. Wie funktioniert Prävention, gerade jetzt, wo die Grenzen zwischen Innen- und Außenpolitik in Europa immer mehr verschwimmen? Ich war mit Herrn Breucker zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben im Fußballstadion. Das war in Nürnberg, und da ist nichts passiert. Aber ganz ehrlich, es gibt auch Erfahrungen, die ich nicht gemacht haben muss. Seine Dissertation war aufschlussreich genug."

Daniela Tandecki leitet die Promotionsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die empfohlene Dissertation ist im Ergon Verlag erschienen

19. Was bedeutet Open Access?

Da es den meisten Autoren darum geht, den öffentlichen Diskurs anzuregen und zitiert zu werden, sollten sie ihre Forschungsergebnisse nicht an Verlage verkaufen, die Geld damit machen wollen. So lautet zumindest die Idee der internationalen Open-Access-Bewegung. Ihre Anhänger fordern, wissenschaftliche Literatur kostenfrei im Internet zu veröffentlichen, sodass alle Interessierte, sie lesen, runterladen, kopieren, drucken, in ihr suchen, auf sie verweisen, kurz: sie ohne Barrieren nutzen können. "Open Access ermöglicht eine rasche Verbreitung und Diskussion von Forschungsergebnissen und unterstützt die internationale Zusammenarbeit", sagt Georg Botz, Open-Access-Koordinator der Max-Planck-Gesellschaft. "Außerdem erleichtert es auch fachfremden Wissenschaftlern den Zugang und fördert auf diese Weise die Interdisziplinarität der Forschung."

Was bringt "Research Gate"?

20. Wie funktioniert Open Access?

Open Access bedeutet zunächst einmal nur, dass eine Arbeit veröffentlicht wird, ohne dass die Nutzer dafür Gebühren bezahlen müssen. Das kann zum Beispiel auf privaten Homepages sein, auf Institutsseiten oder auf Dokumentenservern. Auch eine Veröffentlichung auf Facebook oder in einem Tumblr-Blog entspräche dem Prinzip, bloß ist dann fraglich, ob man die richtigen Leser erreicht. Damit das besser gelingt, gibt es inzwischen etwa 10.000 Open-Access-Zeitschriften. Mehr als die Hälfte ist durchsuchbar, sodass die eigenen Texte gut gefunden werden können. Auch Monografien werden zunehmend mit offenem Zugang veröffentlicht: Das Projekt Oapen der Europäischen Union unterstützt diese Publikationsform für Geistes- und Sozialwissenschaftler – und arbeitet dafür mit sieben Universitätsverlagen zusammen (oapen.org).

21. Muss ich mich bei der Veröffentlichung zwischen Print und Online entscheiden?

Nein, der Trend geht derzeit zum hybriden Publizieren: Dabei wird der eigene Text online auf einem Server des Verlags bereitgestellt – kann aber auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden, weil viele eine umfangreiche Abhandlung nach wie vor lieber auf Papier lesen als am Bildschirm. Der Vorteil ist aber, dass sie durch die Onlineversion vielleicht überhaupt erst auf die Lektüre neugierig geworden sind.

22. Was bringt "ResearchGate"?

Das Soziale Netzwerk ResearchGate ist so was wie Facebook für Forscher. Seine Gründer sind zwar noch nicht so reich wie Mark Zuckerberg, aber immerhin gehört ihre Firma zu den erfolgreichsten Start-ups von Berlin. Seit 2008 haben sich mehr als vier Millionen Mitglieder in dem Netzwerk registriert. Im Grunde soll ResearchGate für sie so etwas sein wie eine Konferenz, die endlos weitergeht und niemals pausiert, ein permanentes Fachgespräch mit Kollegen. Es werden die Ergebnisse von Experimenten geteilt und diskutiert sowie Forschungsmethoden auf den Prüfstand gestellt. Anhand des Profils kann jeder einsehen, wo man studiert hat, welche Publikationen man auf der Plattform hochgeladen hat und wie viele Forscher einem folgen. Ein sogenannter Research-Score misst, wie die Qualität der eigenen Arbeit von anderen Nutzern bewertet wird. Wissenschaftsorganisationen wie das Max-Planck-Institut halten ihre Mitarbeiter dazu an, ResearchGate als Kommunikationsort zu nutzen. Gelobt wird vor allem die Chance einer schnellen und direkten Rückmeldung. Kritiker sagen, der Score sei nicht aussagekräftig und das System nicht objektiv. Wer aber Leser für seine Doktorarbeit gewinnen will, könnte sie auf ResearchGate finden.

23. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (4): Kunstgeschichte

"Sollte man so etwas heute als Promotion einreichen? Besser nicht. Die schmale Schrift, nur gut hundert Seiten dünn, fände in den Augen akademischer Gutachter keine Gnade. Der Stil, würde es heißen, sei umständlich und gespreizt, der Ton hochfahrend, der Schluss dunkel und das ärmliche Sortiment an Sekundärliteratur eine Frechheit. Und die Drittmitteltauglichkeit? Keine. Als Walter Benjamins Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik 1919 erschien, war das Echo überschaubar, kaum jemand kannte den 27-Jährigen, den man heute zu den großen Philosophen des 20. Jahrhunderts zählt. Scheinbar beiläufig beschreibt er die romantische Idee der Kunstkritik. Wahre Kritik sei "die Vollendung des Werks" und die Darstellung seines "prosaischen Kerns". Dieser Satz klingt völlig harmlos und ist doch hochpolitisch. Benjamin forderte nicht weniger als die Befreiung der Kunst aus dem Gefängnis der bürgerlichen Eliten. Ästhetische Erfahrung statt sinnleere bürgerliche Kunstreligion: Das war der Slogan für die Achtundsechziger, und so hatte Walter Benjamin, im Guten und zuweilen auch im Schlechten, einer ganzen Regie-Generation an Theatern und Opernhäusern das Stichwort geliefert."

Thomas Assheuer ist Literaturkritiker im Feuilleton der ZEIT. Er empfiehlt die Dissertation Benjamins, online unter bit.ly/campus_benjamin

Klassisch publizieren – Die Dissertation als Buch

Die Alternative zur Online-Publikation ist die klassische Veröffentlichung eines Buches. Dabei gibt es zwei Varianten: Sie stemmen den Druck Marke „Copyshop“ in Eigenregie oder Sie arbeiten mit einem Verlag zusammen. Während der Eigenverlag schnell und unkonventionell funktioniert, kann die Veröffentlichung durch einen Fachverlag mehrere Monate dauern. Besonders für Doktoranden mit fester Deadline ist dies ein wichtiger Aspekt, der dringend berücksichtigt werden muss. Marketingtechnisch wiederum hat der Verlag die Nase vorn, da er auf ein schon bestehendes Vertriebsnetzwerk zurückgreifen kann, während der Einzelkämpfer Klinken putzen muss.

Kosten lassen sich nicht pauschalisieren

Wenn es auch zwischen klassischer und Online-Publikation viele Unterschiede gibt – so haben beide doch eines gemeinsam: Sie sind mit Kosten verbunden, die sich nicht pauschalisieren lassen. Je nach Anzahl der Seiten, Auflage, Ausstattung des Buches, Farbigkeit und Qualität ist mit drei- bis vierstelligen Beträgen zu rechnen.

Auf renommierte Fachverlage setzen

Bei einer Zusammenarbeit mit einem Fachverlag sollten Sie sich vorher vergewissern, dass dieser auch Aktivitäten unternimmt, die Ihrer Dissertation zu Aufmerksamkeit und Rezensionen verhelfen. Am besten suchen Sie sich einen renommierten Verlag aus und informieren sich über dessen Arbeitsweise, bevor Sie dort die Dissertation veröffentlichen lassen. Sie sollten auch bedenken, dass es durchaus sein kann, dass Sie nach einigen Jahren weitere Exemplare benötigen. Bei etablierten Verlagen ist eher zu erwarten, dass das Unternehmen dann noch existiert.

Vorsicht bei kostenlosen Angeboten

Werben Verlage mit einer kostenlosen Veröffentlichung, ist Vorsicht geboten. Oft verstecken sich Kosten im Kleingedruckten. Sehr bekannte Verlage hingegen fordern von den Autoren oft zu viel Geld für die Veröffentlichung. Andere bieten ihre Bücher im Handel zu teuer an. Eine sorgfältige vorherige Recherche ist also unvermeidlich. Dass von einem wissenschaftlichen Buch jedoch ein großer Geldsegen zu erwarten wäre, ist eher unwahrscheinlich. Der größte Nutzen, eine Dissertation zu veröffentlichen, besteht daher vor allem in der fachlichen Reputation.

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